Der Saucony Grid Jazz 9 ist ein Schuh, für den vor zehn Jahren niemand ein Raffle ausgefüllt hätte. Es gab ihn, er war in Ordnung, er kostete ein Drittel des heutigen Preises. Dann kam Westside Gunn mit einer Heißklebepistole und einem Stapel Fellmuster vorbei – und plötzlich ist es ein Ereignis.
Was auf dem Bild zu sehen ist, ist alles andere als zurückhaltend. Panele in Leoparden-, Zebra- und Fleckenmuster, ausgeführt in kurzflorigem Fell, liegen wie ein Flickenteppich über dem gesamten Obermaterial. Darunter tauchen knallrosa und gelbe Flächen auf, ein goldener Akzent an der Ferse und ein lachsfarbener Gummiblock unter dem Fußgewölbe. Die Mittelsohle ist cremefarben, die Außensohle schwarz, und die Saucony-Logos an der Seite sind in gebrochenem Weiß gehalten, um wenigstens etwas Ruhe hineinzubringen. Das gelingt nur halb.
Die Fakten, die gibt es nämlich auch
Der Westside Gunn x Saucony Grid Jazz 9 „Awesome God“ ist am 28. August 2026 erschienen, in Unisex-Größen. Zwei deutschsprachige Release-Kalender nennen 240 € als Listenpreis in Deutschland; international werden $225 angegeben. Verkauft wurde über blientele.com und ausgewählte Retailer, dazu ein Raffle über Sauconys eigene EQL-Plattform, das in der Nacht davor öffnete.
Die Ausführung ist durchaus durchdacht. Es stecken Cheetah-, Zebra- und Kuhmuster drin, dazu künstliches Pony Hair, und die Schnürsenkel sind aus Leder im Mokassin-Stil. Der Skorpion von Griselda Records ist auf der Ferse geprägt, auf den Innensohlen gedruckt und liegt als Hangtag bei. Wer die Archive kennt, erkennt außerdem das Augenzwinkern in Richtung der alten Jeremy-Scott- und atmos-Releases – das hier ist keine neue Idee, sondern eine gut umgesetzte Wiederholung einer alten.
Wo es hakt
Bei 240 € verschiebt sich die Frage. Nicht: Ist das schön. Sondern: Was kauft man da eigentlich. Der Grid Jazz 9 ist als Laufschuh längst im Ruhestand; bezahlt wird hier für Material, für ein Label und für die Gewissheit, ihm nicht ständig zu begegnen. Das ist ein legitimer Kauf. Es ist nur ein anderer Kauf als ein Sneaker.
Und dann die Praxis. Fell auf einem niedrigen Runner ist großartig in der Studioaufnahme und empfindlich auf einem nassen Gehweg im Oktober. Wer hier ernsthaft zugreifen will, sollte sich fragen, ob das ein Paar für draußen wird oder eines für den Karton. Beide Antworten sind ehrlich. Nur: Bei der zweiten kauft man keine Schuhe mehr – und darf den Preis dann auch nicht mehr mit Schuhen vergleichen.
Das Urteil
Das ist eine der besseren Künstler-Kollaborationen des Jahres, gerade weil die Umsetzung nicht halbherzig ist. Da wurde wirklich nachgedacht, bis hin zum Hangtag. Den Preis macht das nicht sanfter, und Saucony wird davon auch kein Luxuslabel. Aber es ist immerhin kein Farbwechsel mit einem Logo drauf.
