Auf dem Nike Dunk Low Medium Olive steht eine unverbindliche Preisempfehlung von 179,99 Euro. Ein ordentlicher Betrag, sauber kommuniziert, und er hat mit dem deutschen Markt ungefähr so viel zu tun wie das Foto auf einer Speisekarte mit dem Teller, der später kommt.
Was hier tatsächlich bezahlt wird
Wir zählen für Deutschland zwölf aktive Angebote, verteilt auf zwölf Shops. Das mittlere davon liegt bei 119,99 Euro. Die Untergrenze beginnt bei 61 Euro, die Obergrenze bei 199. Anders gesagt: Die Hälfte des Angebots liegt unterhalb von zwei Dritteln dessen, was der Schuh offiziell kosten soll, und die teuerste Adresse verlangt mehr als das Dreifache der günstigsten.
Eine Spanne an sich ist nichts Ungewöhnliches. Größen unterscheiden sich, Bestände unterscheiden sich. Aber von einer Preisempfehlung erwartet man, dass sie irgendwo der Anker ist, der Punkt, um den sich der Rest gruppiert. Hier liegt praktisch das gesamte Angebot darunter. Dann ist es kein Anker mehr, sondern ein Requisit.
Am Schuh selbst liegt es nicht
Ehrlich gesagt: An diesem Ding ist nichts auszusetzen. Ein Dunk Low auf weißer Lederbasis mit olivgrünen Overlays auf Zehenkappe, Swoosh, Ferse und Schaftrand. Die Schnürsenkel sind im selben Olivton gehalten, die Zwischensohle ist weiß, und die Laufsohle greift das Grün wieder auf. Sauber verarbeitet, die Farbaufteilung stimmt, und Olivgrün gehört zu den wenigen Tönen, die neben Schwarz, Denim und Beige gleichermaßen funktionieren.
Genau deshalb ist der Fall interessant. Das hier ist keine Kollaboration, keine limitierte Auflage, kein Schuh, um den herum eine Geschichte gebaut wurde. Es ist eine gut umgesetzte Standardfarbe. Und ausgerechnet bei so einem Paar sieht man deutlich, was die Preisempfehlung noch wert ist, sobald der erste Release-Trubel vorbei ist.
Die deutsche Besonderheit
Ein Detail, das man kennen sollte: Von den zwölf Anbietern sind nur zwei reguläre Webshops. Der Rest sind Marktplätze und Reseller. Der klassische Einzelhandel führt dieses Modell hierzulande also kaum noch, und trotzdem liegt der Median deutlich unter der Preisempfehlung. Das ist bemerkenswert, denn normalerweise heißt “nicht mehr im Handel” eher steigende als fallende Preise.
Bei uns steht dieser Dunk Low auf einem Hypescore von 73, Phase RADIATING. Es ist also durchaus Bewegung drin. Das erklärt die Spanne, rechtfertigt aber keine 180 Euro für eine Farbstellung, die bei der Hälfte der Anbieter für einen Bruchteil davon zu haben ist.
Die brauchbare Frage lautet nicht “wie hoch ist die UVP”, sondern “was verlangen sie gerade für meine Größe”. Das sind zwei völlig verschiedene Zahlen, und nur die zweite kostet Geld. Stell die Anbieter nebeneinander, gib deine Größe ein und sieh selbst. Das übrige Sortiment von Nike zeigt im Übrigen dasselbe Muster.
