Wales Bonner Samba “Leopard”: 220 Euro im Laden, 479 wenn du ihn jetzt willst

Wales Bonner Samba “Leopard”: 220 Euro im Laden, 479 wenn du ihn jetzt willst
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Der adidas Samba war jahrelang ein Hallenfußballschuh für vierzig Euro, den niemand beachtet hat. Inzwischen ist er ein Modeobjekt, und der Wales Bonner Samba “Leopard Pony Hair” (IE0578) ist der Punkt, an dem diese Geschichte ihre eigene Parodie streift: UVP 220 €, günstigstes Angebot in Deutschland 479 €, teuerstes 1.371 €.

Es ist wirklich ein schönes Ding

Fangen wir ehrlich an, sonst wird es zu leicht. Das hier ist kein zynischer Aufschlag mit einem Print darüber. Der Schuh besteht aus Pony Hair — Kalbshaar mit Leopardenzeichnung, das man auf dem Foto tatsächlich liegen sieht. Die drei Streifen sind aus cremefarbenem Leder, ebenso die Fersenkappe, und dort sitzt sichtbare Handarbeit: eine grobe, geflochtene Naht entlang der Kante, die man an einem gewöhnlichen Samba nie findet.

Dazu eine braune Wildlederspitze, braune Schnürsenkel, Messingösen und ein hellblauer Satinstreifen am Kragen. Dieser blaue Streifen ist die beste Entscheidung am ganzen Schuh — die einzige kühle Farbe in einer sonst warmen Palette, und sie holt das Leopardenmuster aus der Ecke des Tiermusters-um-des-Tiermusters-willen. Unten eine Gummisohle. Materialtechnisch ist das schlicht gut gemacht.

Und dann die Rechnung

Sieben Anbieter, allesamt Resale oder Kommission, und die Leiter läuft so: 479 €, 549 €, 633 €, 810 €, 869 €, 960 € und 1.371 € an der Spitze.

Der günstigste liegt also beim gut Doppelten der UVP. Der teuerste beim mehr als Sechsfachen. Für einen Schuh, der 2023 ganz normal für 220 € im Laden stand.

Ich tue nicht so, als wäre das unerklärlich — kleine Auflage einer gefragten Designerin, dann passiert das. Was mir auffällt, ist die Selbstverständlichkeit, mit der wir akzeptiert haben, dass ein Sneaker das Preisniveau eines guten Wintermantels erreicht, ohne dass sich am Produkt etwas geändert hätte. Der Schuh für 1.371 € ist exakt derselbe wie der für 479 €. In der teureren Schachtel liegt keine bessere Version.

Die Stimmen sind sich uneinig

Und das ist für mich die interessanteste Zahl in diesem Text. Der Hypescore steht auf 71, Band RADIATING. Bei Grail or Bail aber steht es 1.523 gegen 445. Gut jeder vierte Abstimmende sagt Bail.

Das ist außergewöhnlich viel für etwas mit diesem Status. Zum Vergleich: bei den meisten Sneakern in diesem Register liegt das eher bei einem von zehn. Es gibt also eine beachtliche Gruppe, die den Schuh kennt, den Preis sieht und schlicht nicht mehr mitgeht. Dass der Score trotzdem hoch bleibt, sagt vor allem etwas darüber aus, wie dieser Score funktioniert: er misst Bewegung und Interesse, nicht Zustimmung.

Mein Rat ist derselbe wie immer bei solchen Paaren. Wer ihn will und kann: bitte, es ist ein gut gemachter Schuh. Aber dann die sieben Anbieter nebeneinanderlegen, denn zwischen dem günstigsten und dem teuersten liegen 892 € für exakt denselben Artikel. Und wer einfach einen Samba tragen statt besitzen will — die stehen noch immer da, für einen Bruchteil davon. Der adidas-Überblick ist der kürzeste Weg dorthin.

Pascal
Über Pascal

Pascal ist der Jordan-Kenner der Solezilla-Redaktion. Von Elephant Prints bis zu Vatertags-Specials: Er kennt die Geschichten hinter den Klassikern und den neuesten Retros.